Last Updated on 29. Dezember 2025 by Andreas Andel

Wie an Parkinson Erkrankte Lebensqualität durch Tischtennis zurückgewinnen

Erbach·Die Tischtennisfreunde Homburg-Erbach geben an Parkinson Erkrankten durch gemeinsamen Sport etwas Lebensqualität zurück. Wir haben Betroffene im Training besucht und nachgefragt, wie sich Sport auf ihre Krankheit auswirkt.

 

Ein Teil der Parkinson-Tischtennisspieler bei den TTF Homburg-Erbach
Ein Teil der Parkinson-Tischtennisspieler bei den TTF Homburg-Erbach

von Stefan Holzhauser

Die Tischtennisfreunde (TTF) Homburg-Erbach gingen 2003 aus einer Fusion der Tischtennisfreunde Homburg mit dem SSV Erbach hervor. Die Verschmelzung entstand seinerzeit aus der Überlegung, Synergieeffekte zu erzielen und durch einen gemeinsamen Club den Tischtennissport für Spielerinnen und Spieler beider Vereine zu stärken. Die TTF, die in der Sporthalle der Gemeinschaftsschule Neue Sandrennbahn in der Erbacher Cranachstraße 7 trainieren und spielen, konnten in den vergangenen Jahren nicht nur im Jugend- und Erwachsenenbereich einen deutlichen Zuwachs verzeichnen. Der Verein hatte auch die Idee, Parkinson-Erkrankten eine Plattform zu bieten.

Bei Parkinson handelt es sich um eine chronisch fortschreitende neurodegenerative Erkrankung des zentralen Nervensystems. Sie führt zu Bewegungsstörungen wie Zittern, Muskelsteifheit und verlangsamten Bewegungen. Verursacht wird diese Erkrankung durch den Mangel des Botenstoffs Dopamin. Parkinson ist nicht heilbar, kann aber durch Therapien gut behandelt werden. Man setzt darauf, die Symptome zu lindern und dadurch die Lebensqualität wieder zu verbessern. Typische Symptome sind auch eine gebeugte Haltung, kleiner werdende Schrift sowie Riechstörungen. Die Ursache dieser Nervenzellschädigung bleibt meist ungeklärt.

Was mittlerweile jedoch längst geklärt ist, sind die positiven Auswirkungen von Tischtennis auf diese Krankheit. Die schnelle, koordinativ anspruchsvolle Bewegung verbessert Motorik, Balance, Mimik und Sprache. Tischtennis fördert die Konzentration der Erkrankten, hinzu kommen Spaß und soziale Interaktion. Bei den TTF Homburg-Erbach ist Kurt Pierrot einer derjenigen Spieler, die an Parkinson erkrankt sind. Der 61-jährige Erbacher hatte zu Jugendzeiten einmal für kurze Zeit Tischtennis gespielt. Später hielt er sich mit Gerätturnen und Leichtathletik fit. 2018 war dann bei ihm Parkinson diagnostiziert worden. „Ich habe damals recherchiert, dass Tischtennis gut für Parkinson sei. So habe ich 2019 hier in Erbach wieder mit dem Tischtennissport begonnen. Unser Vorstandsmitglied Uwe Junkes und ich hatten dann die Idee, im Verein eine Parkinson-Gruppe zu installieren“, erklärt Pierrot.

Kurt Pierrot leitet die PPP Gruppe bei den Tischtennisfreunden Homburg-Erbach
Kurt Pierrot leitet die PPP Gruppe bei den Tischtennisfreunden Homburg-Erbach

Die beiden Männer entwarfen Flyer, die dann beispielsweise bei Neurologen oder in Apotheken verteilt wurden. Kurz darauf gab es in Person von Rudi Schick aus Erbach die erste Rückmeldung. Mit Martin Oest stieß sogar ein selbst an Parkinson erkrankter Arzt zur Gruppe dazu, der den anderen Spielern wertvolle Tipps geben konnte. 2022 fiel der offizielle Startschuss für die Initiative der TTF. Der Höchststand an Parkinson-Erkrankten lag zwischenzeitlich bei 27. Aktuell gibt es 23 Mitglieder. „Die Parkinson-Gruppe wird im Rahmen ihrer Trainingszeiten keineswegs vom restlichen Sportbetrieb ausgegliedert, sondern ist vollauf integriert. Über unsere Gruppe hier sind längst auch viele Freundschaften entstanden“, sagt Pierrot, der erklärt: „Bei mir persönlich ist es eher weniger das Zittern, sondern die Verlangsamung der Bewegung. Und wenn ich Tischtennis spiele, habe ich das relativ gut im Griff.“

Der 61-Jährige nimmt bereits seit einigen Jahren an deutschlandweiten und internationalen Turnieren teil und erreichte sogar bei Weltmeisterschaften vordere Plätze. Zuletzt nahm er an der WM in Schweden teil. Auch ein eigenes Parkinson-Turnier haben die TTF Homburg-Erbach bereits organisiert. Veranstaltungen wie diese werden vom Internationalen Tischtennis-Verband und auch vom Parkinson-Verband veranstaltet. Pierrot genießt diese Reisen. Es gehe dabei nicht nur darum, möglichst erfolgreich Tischtennis zu spielen, sondern auch Freundschaften zu pflegen und etwas von der Umgebung rund um die einzelnen Spielstätten kennenzulernen. Eine Qualifikation dafür sei nicht nötig – jeder, der Lust hat, kann an Weltmeisterschaften teilnehmen.